- Echter 304er Edelstahl läuft nicht an. Chrom bildet eine Passivschicht, die sich nach einem Kratzer von selbst wieder aufbaut.
- Verfärbt sich etwas trotzdem, ist es meist beschichtet, eine niedrigere Legierung oder ein Verschluss aus anderem Material.
- Pflege: warmes Wasser, ein Tropfen Spülmittel, trocken reiben. Mehr nicht.
Die kurze Antwort: nein, wenn es echter 304er Edelstahl ist. Die lange Antwort erklärt, warum so viele Ketten und Armbänder trotzdem nach ein paar Wochen stumpf, grün oder fleckig werden.
Was „anlaufen" überhaupt bedeutet
Anlaufen ist eine Reaktion der Oberfläche mit Sauerstoff und Schwefelverbindungen aus Luft, Schweiß und Kosmetik. Silber läuft an, Messing läuft an, Kupfer läuft an. Edelstahl nicht — weil Chrom an der Oberfläche sofort eine hauchdünne Oxidschicht bildet, die weiteres Eindringen verhindert. Diese Schicht ist unsichtbar und baut sich nach einem Kratzer von selbst wieder auf. Man nennt sie Passivschicht.
Warum trotzdem so viel Schmuck verfärbt
Weil vieles, was als „Edelstahl" verkauft wird, nur außen Edelstahl ist. Drei Fälle sind verbreitet:
- Beschichtet: ein Grundmetall, meist Messing oder Zink, mit einer dünnen Schicht darüber. Sie hält, bis sie durchgescheuert ist.
- Niedrigere Legierung: 201er Edelstahl hat weniger Nickel und mehr Mangan. Er ist billiger, korrodiert aber unter Schweiß deutlich schneller.
- Gemischte Bauteile: Kette aus Edelstahl, Verschluss aus etwas anderem. Verfärbt sich nur der Karabiner, ist das der Grund.
Woran du 304er Edelstahl erkennst
Ohne Labor gibt es keinen sicheren Test, aber drei brauchbare Hinweise:
- Der Magnet. 304er ist im geglühten Zustand nur schwach oder gar nicht magnetisch. Bleibt ein Magnet kräftig haften, ist es eher eine andere Legierung — ein Indiz, kein Beweis, denn durch Kaltverformung kann auch 304er leicht magnetisch werden.
- Das Gewicht. Edelstahl ist deutlich schwerer als beschichtetes Zink. Wer beide einmal in der Hand hatte, verwechselt sie nicht mehr.
- Die Angabe selbst. Seriöse Anbieter schreiben die Legierung hin. Steht nur „Edelstahl" ohne Zahl, ist das kein gutes Zeichen.
Pflege: fast keine
Warmes Wasser, ein Tropfen Spülmittel, weiches Tuch, trocken reiben. Keine Silberpolitur, kein Ultraschall mit Zirkonia-Steinen, keine scheuernden Pasten. Das war es. Wenn ein Schmuckstück aufwendige Pflege braucht, sagt das mehr über das Material als über den Besitzer.